Zeitreise: Der neue Lancia 2000

Zeitreise: Der neue Lancia 2000


Am 7. Juni 1971 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 20. Jahrgang über den neuen Lancia 2000.

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Der Lancia 2000 Berlina. Die Traditions-Marke Lancia wurde 1969 von Fiat gekauft.
© FCA/ TRD mobil

Lancia 2000, ein Prestigewagen für Kenner

Die traditionsreiche italienische Automobilfirma Lancia kommt mit einem neuen Modell, dem Lancia 2000, auf den Markt. Obwohl inzwischen zu Fiat gehörig, wird Lancia seinem Ruf besonderer Exklusivität auch mit diesem Fahrzeug vollauf gerecht. Es ist weit entfernt von der Großserienfertigung eines Fiat oder Volkswagen, geschweige denn eines der großen amerikanischen Automobilkonzerne.

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Der Lancia 2000 wurde von 1970 bis Ende 1974 zirka 14.500 Mal gebaut, nur mit dem 2-Liter-Boxer-Motor. © FCA/ TRD mobil

Ausgereifte Technik mit neuem Schwung

Insgesamt gesehen ist der Lancia 2000 eine Weiterentwicklung des Typs Flavia 2000. Das heißt jedoch nicht, dass sich die Leute von Lancia mit einer moderneren Karosserie zufrieden gegeben hätten. Die gesamte Technik, vom Fahrgestell über Bremsen, Vergaser bis zum Motor, wurde erneuert oder vervollkommnet. Der Lancia 2000 hat einen Flüssigkeitgekühlten 4-Zylinder-Boxermotor, der aus 1991 ccm Hubraum 115 Din-PS bei 5.500 U/min. holt. Die Höchstdrehzahl beträgt 6.000 U/min. Zwei Nockenwellen, hängende Ventile und eine dreifach gelagerte Kurbelwelle runden das Bild des Motors ab. Das vollsynchronisierte Vierganggetriebe wird über einen Mittelschalthebel betätigt. Die Vierrad-Scheibenbremse verfügt über einen Unterdruck-Bremskraftverstärker. Durch das Superduplex-System ist bei Ausfall eines der beiden Bremskreise immer die Bremsung der Vorderräder gewährleistet. Als Feststellbremse dient eine Hinterrad-Trommelbremse.

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Ein verschiebbarer Vorhang im Heck war serienmäßig.
© FCA/ TRD mobil

Komplette Komfort Ausstattung

Die Ausstattung des Lancia 2000 ist bemerkenswert komplett und lässt kaum Wünsche offen. Von der beheizbaren Heckscheibe über Kopfstützen, Drehzahlmesser, stufenlos regelbares Gebläse, bis zu zahlreichen Kontrolllampen für Öldruck, Kühlflüssigkeitstemperatur, Bremsflüssigkeit, Handbremse und so weiter, ist alles serienmäßig vorhanden. Vier Jod-Scheinwerfer für Fern- und Abblendlicht sorgen für hervorragende Sicht bei Dunkelheit. Die samtbezogenen Sitze verbreiten behagliche Wohnlichkeit. Eine derart vollzählige Ausstattung, funktionell und geschmackvoll, bieten neben dem Lancia 2000 nur sehr wenige Luxusautomobile.

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Lancia 2000 Coupé von Pininfarina entworfen.
© FCA/ TRD mobil

Sichere Fahreigenschaften und sportliche Leistung

Bei einer fast 400 Kilometer langen Testfahrt über norditalienische Autostradas, enge Serpentinenstrecken und Schotterstraßen musste der Lancia 2000 Farbe bekennen. Im Voraus gesagt: er hat sich hervorragend geschlagen. Die unbedingte Spurtreue, der exakte Geradeauslauf und die sichere Kurvenlage des frontangetriebenen Fahrzeugs haben immer wieder beeindruckt. Sieht der solide verarbeitete Lancia, an dem noch viel mit der Hand gearbeitet wird, schon von außen vertrauenerweckend aus, so wird dieser Eindruck bereits auf den ersten Kilometern vollends bestätigt. Nicht umsonst haben die Lancia-Bremsen den Ruf, zu den besten der Welt zu gehören. Selbst bei Vollbremsung aus über 170 km/h brach der Wagen bei optimaler Verzögerung nicht aus. Die Beschleunigung des Lancia 2000 von 0 – 100 km/h wird vom Werk mit 12 Sekunden angegeben, die Höchstgeschwindigkeit über 175 km/h. Das ist gewiss nicht übertrieben. Private Messungen bei einem noch nicht eingefahrenen Wagen ergaben 11,3 Sekunden von 0 – 100 km/h und gut 200 km/h Höchstgeschwindigkeit nach dem Tachometer.

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Dolce Vita im Lancia 2000 Coupé. © FCA/ TRD mobil

Verwirrende Vielzahl an Bedienungsknöpfen

Zu erwähnen bleibt noch die Geräuscharmut auch bei schneller Fahrt und das ausgezeichnete Schluckvermögen der Federung. Selbst auf übelsten Schotterstraßen mit tiefen Schlaglöchern waren keine Stöße in der leichtgängigen Servolenkung zu spüren. Auf dem losen Untergrund setzte in scharf gefahrenen Kurven eine leichte Untersteuerungstendenz ein, das Wegschieben der Vorderräder konnte jedoch gut korrigiert werden. Verwirrend war die Vielzahl der Bedienungsknöpfe und Schalter, deren Funktion nur mit einigem Kombinationsvermögen zu ergründen war. Nach etwas Eingewöhnung und fleißigem Auswendiglernen dürfte dieses Problem jedoch zu bewältigen sein. Insgesamt gesehen hat der Lancia 2000 den denkbar besten Eindruck gemacht.

Prognose für den deutschen Markt

Lancia verstärkt seine Aktivität in der Bundesrepublik merklich. Mit Fiat im Rücken müsste es auch eigentlich gelingen, ein einigermaßen potentes Servicenetz einzurichten. Der Lancia 2000 hätte dann durchaus Chancen, unter den Exklusivautomobilen in der Bundesrepublik eine wichtige Rolle zu spielen. In der Konzeption liegt er etwa zwischen Mercedes (Komfort, Verarbeitung) und BMW (Sportlichkeit). Der Preis für diesen automobilistischen Leckerbissen wird 16.000 DM dann auch sicher recht nahe kommen. Wer es noch etwas teurer haben möchte, nimmt das fünfganggetriebene Coupé, das sonst mit der Technik der Limousine übereinstimmt. Mit einer Auslieferung des Lancia 2000 in die BRD dürfte im Herbst des Jahres zu rechnen sein.

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Das Vorgänger-Modell Lancia Flavia Berlina. © FCA / TRD mobil
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Das Vorgänger-Modell des Lancia 2000, der Flavia, wurde von 1960 bis 1970 gebaut.
© FCA / TRD mobil

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