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Oldtimer-Outfit: E-Motorrad mit vier Rädern

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3.500 E-Roller will die Firma Scrooser 2017 produzieren. Vom handwerklich gefertigten Loryc Electric Speedster gibt es erst drei Exemplare. © TÜV Rheinland /TRD Pressedienst

 

(TRD/MID) Auf einer Zweiradfachmesse gab es ein Motorrad in Pkw-Optik zu bestaunen: die Loryc Electric Speedster. Das an einen Oldtimer erinnernde Fahrzeug wird jedenfalls vom TÜV Rheinland in die gleiche Typengenehmigungsklasse gesteckt wie der ebenfalls in Köln zu sehende E-Roller der Marke Scrooser. Die beiden Spaßmobile haben auch die Gemeinsamkeit nicht sehr viel zu wiegen.

Ein Fahrzeug in der Größenordnung des Cabriolets der aus Mallorca stammenden historischen Marke Loryc würde normalerweise eine Tonne wiegen und alle Kriterien von Personenkraftwagen erfüllen müssen, erklärt Gunnar Pflug, Leiter TÜV Rheinland Technologiezentrum Verkehrssicherheit. Doch da der Elektro-Loryc nur 449 Kilo auf die Waage bringt, gehört auch er zur europäischen Genehmigungsklasse „L“. Für die Typprüfung der Spaßmobile, also die Voraussetzung für die europaweite Zulassung und Serienfertigung, zeichnet TÜV Rheinland verantwortlich.

Die Klasse L umfasst zwei- oder dreirädrige sowie leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge. „Mit den zwei Aufsehen erregenden Exponaten wollen wir die ganze Bandbreite dieser leichten Fahrzeugkategorie darstellen“, betont Gunnar Pflug. Der Scrooser gehört in die leistungsschwächste Gruppe L1e (Kleinkrafträder bis maximal 45 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu 4 kW Leistung), während der Loryc mit einem Leergewicht von bis zu 450 Kilogramm ohne Batterien und der Leistung von 15 kW/20 PS zur „Königsklasse“ L7e zählt. Der wendige Flitzer soll im Kölner Technologiezentrum erfolgreich das volle vorgeschriebene Zulassungsprozedere gemeistert haben, teilen die Experten mit.

Der Kriterienkatalog umfasst mehr als 120 Prüfpunkte. Dazu gehören unter anderem der Check von Fahrzeugaufbau und -struktur, Beleuchtung und Bremssystem, Sitzen, Gurten sowie sämtlichen Elektro-Komponenten inklusive Isolierbarrieren und elektromagnetischer Verträglichkeit (EMV). Das bedeutet, dass die Fahrzeuge beispielsweise keine Handynetze stören oder die Funktion von Herzschrittmachern beeinträchtigen dürfen, sowie selbst unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen von außen sind.

Freilich ist der Umfang der Sicherheitsausstattung kleiner als bei jedem normalen Pkw. So hat der Loryc weder ABS noch Airbag, fährt allerdings auch maximal nur 80 km/h. Tüftler Charly Bosch fertigt den Loryc in Handarbeit. Derzeit sei das dritte Exemplar in Arbeit, sagt der Autoliebhaber. Mehr als 1.000 Stunden Handarbeit stecke in jedem der Fahrzeuge. Daher müsse er auch 120.000 Euro pro Stück verlangen.

Und so fing alles an: 2013 erwarb er einen der wenigen verbliebenen Lorycs aus dem Jahr 1923. Nach zwei Motorschäden rüstete er den Veteran mit einem Elektroantrieb aus und sicherte sich die Rechte an der Marke Loryc. Anfang 2015 begann auf Mallorca die Entwicklung des modernen Loryc Electric Speedster. Kurz darauf startete der Aufbau des ersten Wagens in reiner Handarbeit. Im Februar 2016 bestand der Loryc alle durch TÜV Rheinland durchgeführten Prüfungen zur EU Typgenehmigung.

Der Scrooser ist einem alten Tretroller nachempfunden. Er kostet ab 4.500 Euro und wird in Serie hergestellt. Rund 3.500 Exemplare sollen 2017 die Fertigungshalle verlassen, sagt der aus Dresden stammende Konstrukteur Dr.-Ing. Sven Martens. Das Kunstwort „Scrooser“ leitet sich ab von Scooter und Cruiser, also eine Mischung aus Motorroller und lässigem Custom-Bike. Je nach Variante erreicht das Fahrzeug maximal Tempo 25.

Für den Scrooser gibt es drei Ausführungen: Ohne Straßenzulassung für den Einsatz auf Privatgelände, etwa in weitläufigen Hallen oder Industriekomplexen – hier liegt die Höchstgeschwindigkeit variabel zwischen 6 und 25 km/h. Dann gibt es die Variante mit Straßenzulassung und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h. Hier ist ein Versicherungskennzeichen erforderlich sowie Licht und Rückspiegel, aber es besteht keine Helmpflicht. Drittens gibt es den Scrooser mit Straßenzulassung und einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Auch hierbei sind ein Versicherungskennzeichen sowie Licht und Rückspiegel erforderlich, und es besteht Helmpflicht (Motorradhelm). Beide Fahrzeugen haben nicht nur die Typengenehmigungsklassen gemeinsam, sondern auch den Freiluft-Fahrspaß bei dem keinerlei Abgase die Umgebung verschmutzen.

 

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