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Mobilitäts-Lobbyismus: Vernetzung auf Teufel komm raus, zum Vorteil der Autofahrer?

Nerds mögen es gerne luxuriös: Klassische Fahrzeuge ohne Android  und Apple Carplay sollen bei vielen Autofahrern – völlig unabhängig davon, wie gut der Wagen fährt – schlicht unten durch sein.

(TRD/MID) Vorbei sind die Zeiten, da die klassischen Tugenden der Autobauer genügten, um ein Fahrzeug mit dem Label „state-of-the-art“ zu konstruieren. Nirgends wurde das deutlicher als auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Und die Industrie nimmt diesen Umstand, dass die Nutzer offenbar das Smartphone auf Rädern fordern, sehr ernst.
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Das Auto wird mehr und mehr zum rollenden Smartphone. Das fordert die Kundschaft und die Hersteller stellen sich darauf ein. © BMW / TRD Pressedienst

(MID/TRD) Nirgends wurde das deutlicher als auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Und die Industrie nimmt diesen Umstand, dass die Nutzer offenbar das Smartphone auf Rädern fordern, sehr ernst. Ein Auto ohne Android Auto und Apple Carplay soll bei vielen – völlig unabhängig davon, wie gut der Wagen fährt – schlicht unten durch sein.

Daher betreiben die Hersteller eine Vernetzung ihrer Produkte auf Teufel komm raus.“Das Fahrzeug wird zum Smart Device – intelligent vernetzt, nahtlos eingebunden und perfekt abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers“, formuliert BMW seine Sicht der Dinge. Die Münchner zeigen beispielsweise einen mittels Gestensteuerung autonom einparkenden i3 und stellten Connected-Dienste in den Vordergrund – einen „persönlichen Mobilitäts-Assistenten“. In den neuen Modellen ist die Smartphone-Einbindung nur der Anfang, aktuell geht es etwa um die Verbindung des Fahrzeugs zur Smartwatch und zu Amazon Echo.

Letzteres ermöglicht etwa mithilfe der digitalen Assistentin Alexa von Zuhause per Sprachsteuerung den Tankfüllstand des BMW abzurufen, das Fahrzeug über Remote Services zu verschließen oder die Belüftung zu starten. Das Auto ersetzt die Sekretärin, managt Termine und erinnert den Fahrer daran, jetzt doch bitte aufzubrechen, um rechtzeitig bei einem Termin zu sein.

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BMW zeigte auf dem Mobile World Congress in Barcelona einen mittels Gestensteuerung autonom einparkenden i3. Connected-Dienste stehen im Vordergrund und werden zu „persönlichen Mobilitäts-Assistenten“. © BMW/ TRD

Seit Mitte 2017 testet BMW in England einen Assistenten, der den Fahrer an einen anstehenden Service für das Fahrzeug erinnert, zugleich Terminvorschläge mit dem Händler ausmacht und in die „Mobilitäts-Agenda“ einträgt. Das konnte ein VW Käfer nicht, dafür konnte den jeder halbwegs Talentierte selbst warten, naja. Die nächste Stufe der mobilen Dienste wird gezündet, wenn das autonome Fahren Realität wird, das ist mittlerweile ja keine Frage des „ob“ mehr, sondern nur noch des „wann ist es soweit“. Sicher ist aber schon jetzt: Die Hersteller werden die Entwicklung zu Ihrem Vorteil zu nutzen wissen.

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Bill Ford, Vorsitzender der Ford Motor Company, schildert die Vision des Unternehmens in Sachen smarte Mobilität. In Barcelona präsentierte der Hersteller in erster Linie Transport-Lösungen. © Ford/ TRD Pressedienst

Auch Ford präsentierte auf dem Mobile World Congress im Frühjahr neue Konnektivitäts- und Mobilitäts-Technologien und veranstaltete zahlreiche Podiumsdiskussionen mit Experten verschiedener Fachdisziplinen. Besucher des Messestands erwartete unter anderem die elektrifizierte Transporthilfe „Carr-E“, die direkt vor Ort zum Test bereitstand, ebenso wie die elektrische Transportlösung „TriCiti“, die sich zusammenfalten lässt. Und auch ein Ausflug in die virtuelle Realität stand auf dem Programm, um Mobilitäts-Konzepte von morgen bereits heute erleben zu können.

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Daimler startete zwei Tage vor dem Mobile Word Congress im speziell ausgestatteten Tour-Bus von Stuttgart nach Barcelona. Auf der Fahrt solle die Programmierung eines autonom fahrenden RoboCabs aus Lego-Komponenten gelingen. © Daimler/TRD Pressedienst

Ebenfalls mit dabei in Barcelona war Daimler. Die Stuttgarter hatten bereits im Vorfeld den Programmier-Wettbewerb – auf Neudeutsch „Hackathon“ – aus der Reihe „DigitalLife Campus“ abgehalten. Zehn ausgewählte Teilnehmer fuhren zwei Tage vor Messestart im speziell ausgestatteten Tour Bus von Stuttgart nach Barcelona. Auf der Fahrt sollte die Programmierung eines autonom fahrenden RoboCabs aus Lego-Komponenten gelingen – quasi ein Testlauf für den in einigen Jahren anstehenden „Ernstfall“, wenn selbstfahrende Robotertaxis entlang einer Route Fahrgäste abholen und an einem Wunschort wieder absetzen sollen. Und wie könnte es anders sein, Eindrücke aus dem Bus konnten auf Social Media-Plattformen via Hashtag verfolgt werden.

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Auch Nerds mögen es luxuriös: In dem Daimler Bus hackt es sich doch gleich viel angenehmer.
© Daimler /TRD Pressedienst

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