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Lexus LC: Ein Zeichen setzen

(TRD/MID) – Wenn aus gekränktem Stolz etwas Großes entsteht: Als sich Toyota-Präsident Akio Toyoda beim exklusiven Concours d’Elegance in Pebble Beach anhören musste, dass die Nobel-Tochter Lexus keine schönen Autos baue, beschloss der mächtige Firmenchef, es den Kritikern mal richtig zu zeigen. Ein Zeichen musste her, ein Auto, das so außergewöhnlich ist, dass es die Sportwagen-Fans in Verzückung versetzt. Dafür scheute er keine Kosten und Mühen. Die Idee für den seit kurzem bestellbaren LC war geboren, der die Kritiker eines Besseren belehren sollte – und die staunten nicht schlecht.Ein historischer Vergleich der mit nur fünf Jahren sehr kurzen Entstehungsgeschichte drängt sich geradezu auf. Henry Ford II wollte Anfang die US-Kultmarke der 1960er wieder zurück in den internationalen Rennsport bringen und zu diesem Zweck die damals noch junge Marke Ferrari kaufen. Als dieses Vorhaben scheiterte, beschloss der Ford-Chef ein eigenes Sportprogramm aufzubauen und den Italienern zu zeigen, was eine Harke ist. Das Ergebnis war schließlich der Ford GT40, der in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts alles und jeden in Grund und Boden fuhr. Unter anderem gewann der Wagen vier Mal in Folge die prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans.

Ob der Lexus LC ähnlichen Eindruck in der Autowelt hinterlässt, bleibt natürlich abzuwarten. Das Zeug dazu hat das sehr expressiv gezeichnete Luxus-Coupé. Zwei Varianten des 2+2-Sitzers bieten die Japaner an – eine reinrassige Fahrmaschine mit fettem V8-Sauger und fürs grüne Gewissen eine Hybrid-Variante, die aber dennoch ein überaus sportliches Fahrerlebnis garantieren dürfte.

Zum identischen Einstiegspreis von 99.200 Euro gibt es den LC 500 mit einem 351 kW/477 PS starkem 5,0-Liter-Aggregat, das in der Spitze 540 Newtonmeter bereitstellt, oder aber im LC 500h einen 3,5-Liter-V6 mit Elektro-Unterstützung und einer Systemleistung von 264 kW/359 PS sowie 348 Nm. Beide sind mit einer neu entwickelten 10-Stufen-Automatik mit extrem kurzen Schaltzeiten kombiniert, die die Kraft an die Hinterräder weiterleitet. Den Sprint auf Tempo 100 erledigen die beiden Hightech-Renner in 4,7 Sekunden (LC500) bzw. 5,0 Sekunden, der Normverbrauch liegt bei 11,5 bzw. überaus bescheidenen 6,4 Liter für den Hybrid.

Den sportlichen Anspruch erfüllt der LC auf den ersten Testfahrten voll und ganz. Und auch die Rolle als Eyecatcher scheint dem Sportcoupé zu liegen – durch Kopfdrehen verursachte Nackenscherzen dürften entlang der Teststrecke in Norditalien aktuell Hochkonjunktur haben. Der riesige Diabolo-Kühlergrill scheint fast einem gierigen Raubtier aus einem japanischen Manga entsprungen. Die sehr schmalen und spitz zulaufenden Leuchten vorne und hinten wirken herausfordernd und aggressiv, frei nach dem Motto „wer will sich mit mir anlegen“?

Das von Firmenchef Toyoda geforderte Zeichen scheint seine Wirkung nicht zu verfehlen, soviel lässt sich bereits jetzt konstatieren. Und mit einem Praxisverbrauch von 7,9 Liter bei der Hybridversion wirkt der LC sogar noch aus Umweltsicht recht vernünftig – verrückt eigentlich. Toyota macht’s möglich, könnte man sagen, um einen alten Werbespruch der Japaner aufzugreifen. Dazu kommt eine Materialwahl und Verarbeitung im Innenraum, die sich auf einem absoluten Top-Niveau bewegt. Und Hightech gibt es nicht nur beim Antrieb, sondern zeitgemäß natürlich auch bei den Assistenzsystemen.

Alle Versionen des LC sind mit dem Safety System+ ausgestattet, einem Paket aktiver Sicherheitstechnologien, die den Fahrer dabei unterstützen, einen Unfall zu vermeiden, oder dessen Folgen minimieren. Mittels Kamera und Radar wird die Fahrbahn vor dem Fahrzeug auf potentielle Gefahren und Kollisionsrisiken überwacht. Der LC verfügt über ein Pre-Crash Safety System mit Fahrzeug- und Fußgängererkennung (PCS), eine adaptive Geschwindigkeitsregelung für alle Geschwindigkeitsbereiche (ACC), einen Spurhalteassistenten (LKA) mit Spurwechselwarner (LDA) sowie eine Müdigkeits-Warnung, einen automatischen Fernlichtassistent (AHB) und eine Verkehrszeichenerkennung (RSA).

Kurzum, das sportliche Lexus-Flaggschiff polarisiert, provoziert und fasziniert. Der LC ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Auto und für manchen Sportwagen-Liebhaber vielleicht gerade deshalb eine willkommene Alternative zu Porsche 911 und Co. Preislich sind die Japaner mit knapp unter 100.000 Euro – ganz im Gegensatz zum 375.000 Euro teuren LF-A vor einigen Jahren – fast schon bescheiden. Immerhin ist die Hybrid-Flunder von Honda – der neue NSX -mit 185.000 Euro Startpreis fast doppelt so teuer. 130 Einheiten des Lexus LC sollen in Deutschland 2018 verkauft werden, in Europa 1.000 und weltweit 6.000 Autos, sagt Toyota-Deutschland-Chef Tom Fux. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. So könnte der LC für Lexus tatsächlich zur Erfolgsgeschichte werden – und zum von Konzernchef Akio Toyoda geforderten Zeichen.

Technische Daten Lexus LC 500/LC500h:

Zweitüriges Sportcoupé, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,77/1,92/1,34/2,87, Leergewicht: 1.960 kg/2.020 kg, Zuladung: 415 kg/425 kg, Tankinhalt: 82 l, Kofferraumvolumen: 197 l.

Antrieb:

LC 500: V8-Benziner, Hubraum: 4.969 ccm, Leistung: 351 kW/477 PS bei 7.100/min, max. Drehmoment: 540 Nm bei 4.800/min, 0-100 km/h: 4,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h, 10-Gang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Durchschnittsverbrauch: 11,5 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 263 g/km, Preis: 99.200 Euro.

LC500h: V6-Benziner plus Elektromotor, Hubraum Verbrenner: 3.456 ccm, Systemleistung: 264 kW/359 PS bei 6.600/min, max. Drehmoment: 348 Nm bei 4.900/min, 0-100 km/h: 5,0 s, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, 10-Gang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Durchschnittsverbrauch: 6,5 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 145 g/km, Preis: 99.200 Euro.