Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

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Ein psychisch erkrankter Elternteil stellt auch für das Kind eine enorme Belastung dar. © Sokaeiko / pixelio.de /TRD Pressedienst

 

(TRD/MP)  – Die Zahlen sind schockierend: Laut des Bundesverbandes für Erziehungshilfe wächst in Deutschland fast jedes vierte Kind unter 18 Jahren mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Dabei ist das Risiko dieser Kinder, selbst an einer psychischen Störung zu erkranken, drei- bis viermal höher als bei den Kindern anderer Eltern. Und trotzdem gibt es Kinder, die gesund bleiben und es aushalten, in einem belasteten Familiensystem aufzuwachsen. Der Grund dafür: innere Stärke, also Resilienz.

„Die Problemlage von Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil ist äußerst komplex. Ihnen zu helfen, gelingt nur mit individuell passenden Lösungen und einer sorgfältig abgestimmten, interdisziplinären Zusammenarbeit“, so Anna Franke und Bettina Fervers-Marten. Die beiden Ergotherapeutinnen haben sich intensiv mit psychisch belasteten Familien auseinandergesetzt – in der täglichen Praxis, in ihrer Bachelorarbeit und zuletzt in einer gemeinsamen Ausarbeitung.

Wichtig sei ein konstruktiver Umgang mit den Problemen: „Ich erkläre den Kindern altersgerecht, was zuhause passiert. So sage ich zum Beispiel, dass die Mama eine Krankheit hat, die daran schuld ist, dass sie oft so lange im Bett liegt, so schwierig ist oder den Haushalt nicht macht“, so Anna Franke. Ergotherapeuten erklären, teils mit speziell für Kinder aufbereiteter Literatur, die Zusammenhänge zwischen dem Störungsbild des Elternteils und den Auswirkungen auf den Familienalltag. Findet dies nicht statt, entwickeln Kinder erfahrungsgemäß Schuldgefühle, beziehen das Verhalten des erkrankten Elternteils auf sich. Oder sie leben in einem emotionalen Chaos, weil sie nach außen die Erkrankung als Familiengeheimnis wahren und so tun müssen, als sei alles gut, obwohl das tägliche Leben in der Familie überhaupt nicht funktioniert. Oder sie übernehmen Rollen aus dem Familiensystem, denen sie – vor allem psychisch – nicht gewachsen sind.

Eine wichtige Aufgabe der Ergotherapeuten ist es, die Familie zur Handlungsfähigkeit im Alltag zu befähigen. „Einem Vierzehnjährigen kann man zumuten, einkaufen zu gehen und auch mal Essen zu kochen, ein Fünfjähriger ist damit restlos überfordert“, sagt Bettina Fervers-Marten. An diesem einfachen Beispiel veranschaulicht die Expertin, warum eine nicht altersgerechte Aufgabenverteilung besonders jüngere Kinder in akuten Dauerstress versetzt. Zusätzlich zur Rollenverschiebung ist auch die Kommunikation häufig ein großes Problem. „Ganz auffällig ist“, so die Ergotherapeutinnen, „dass die Familienmitglieder ganz viel übereinander reden, aber kaum miteinander.“ Deshalb begleiten die Ergotherapeuten Eltern und die Kinder dabei, miteinander zu reden. Oder miteinander spielen zu lernen, gemeinsam Spaß haben zu können, wie andere Familien auch.