Fehlende Transparenz: Die Preistricks der Energieversorger und Provider

Energieversorger

Energieversorger verstecken Preiserhöhungen häufig in Werbebroschüren, die Kunden überhaupt nicht lesen. Die Überraschung folgt dann bei der Abrechnung. © geralt / pixabay.com/ TRD Wirtschaft und Soziales

(TRD/WID-en) Preiserhöhungen werden oft verschleiert. Das gilt nicht nur für Verpackungs-Künste bei Waren im Supermarkt, sondern auch für die Präsentation von Energie- oder Mobilfunk-Tarifen. Experten verraten die dreistesten Tricks der Unternehmen. Rund jeder zweite Strom-Grundversorger hat in der ersten Jahreshälfte bereits die Preise erhöht, berichten die Vergleichsportale Check24 und Verivox.Kunden in der Grundversorgung müssen mindestens sechs Wochen vor einer geplanten Preiserhöhung darüber per Brief informiert werden. Erhält ein Kunde eine Preiserhöhung, dann hat er das Recht zu kündigen (Sonderkündigung). Wer davon Gebrauch macht, für den endet der Vertrag, bevor die neuen höheren Preise gelten.

Aber das ist nur ein Teil der Realität: „Ein großes Problem ist, dass viele Unternehmen die Preiserhöhung nicht klar kommunizieren“, sagt Dr. Britta Beate Schön, Rechtsexpertin bei Finanztip. Kunden verstünden die Tarifänderungen oft erst dann, wenn die teurere Rechnung ins Haus flattert. Dann sei es aber zu spät für eine Sonderkündigung und die höheren Preise würden gelten. „Was sich manche Unternehmen da erlauben, ist einfach dreist“, erklärt Schön. In einem Fall wurde im Anschreiben auf eine sogenannte individuelle Preisinformation in der beiliegenden Werbebroschüre hingewiesen. In dieser habe das Unternehmen auf der dritten von vier bunten Seiten die Preiserhöhung versteckt.

Einige Anbieter verschleiern die höheren Preise auch mit besonders langen Schreiben. „Auf der ersten Seite lobt sich das Unternehmen in den höchsten Tönen selbst und erst ganz am Schluss auf der zweiten Seite wird die Preiserhöhung erwähnt“, berichtet die Expertin.

Ein Mobilfunkanbieter soll besonders dreist vorgegangen sein, berichtet Schön: In einer SMS an die Kunden habe der Anbieter „aktuelle Informationen zu Ihrem Tarif“ angekündigt – nachzulesen im Online-Kundenbereich. Kunden könnten hier zunächst Werbung vermuten. Doch weit gefehlt: „Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Preiserhöhung“, erklärt Schön. Der Anbieter habe im laufenden Vertrag einfach die monatliche Gebühr erhöht. Doch bis der Kunde den entscheidenden Text lesen kann, muss er erstmal durch ein Menü-Labyrinth und den Text bis zu Ende lesen. Dort heißt es plötzlich: „Sie brauchen nichts zu unternehmen. Ihr Vertrag wird automatisch für Sie umgestellt.“

Atempause bei Energiepreisen

Verbraucher können kurz durchatmen: Vorerst erwarten Experten keinen Anstieg der Energiepreise. Doch die Freude soll nicht von langer Dauer sein. „Die Preise für die unterschiedlichen Energiegüter werden innerhalb der nächsten sechs Monate stagnieren“, heißt es im ZEW-Energiebarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Doch ganz so ruhig soll der Markt nicht bleiben: Drei Viertel der Befragten rechnen mit steigenden Strompreisen in den nächsten fünf Jahren. Auch bei Preisen für Erdgas und Rohöl soll der Pfeil nach mehrheitlicher Ansicht nach oben zeigen.  

Eher uneinig sind sich die Experten beim Kohlepreis: Hier erwarten 31 Prozent der Befragten sinkende Preise und nur rund ein Viertel steigende Preise in der mittleren Frist. Damit ist der Anteil der Experten, der sinkende Preise erwartet, verglichen mit der vorangegangenen Befragung um drei Prozentpunkte gestiegen. Die relative Mehrheit (43 Prozent) geht weiterhin von stagnierenden Preisen auch in der mittleren Frist aus. Im Vergleich zur Erhebung im November 2016 sind die Preiserwartungen bei Strom, Erdgas und Rohöl über die mittlere Frist nahezu unverändert geblieben.

Energiepreise

Die Energiepreise sollen im zweiten Halbjahr 2017 stabil bleiben.
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