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Euro-4-Norm für Neuzulassungen: Schnäppchen-Jagd bei Motorrädern zum Jahresende

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Erfüllt nicht Euro 4 und könnte daher ein Schnäppchen zum Jahresende sein: Yamaha XJR 1300. Titelbild: Ducati © Yamaha /TRD Pressedienst Blog Newsportal

(TRD/MID) – Für Motorradfahrer könnte sich die letzten Tage des Jahres 2016 richtig bezahlt machen: Bei den Händlern stehen noch einige Schnäppchen, die nach der bisherigen Euro 3-Norm homologiert wurden. Diese Bikes müssen jetzt raus, denn ab 1. Januar 2017 gilt die strengere Euro 4-Norm für Neuzulassungen. Je näher also das Jahresende rückt, desto günstiger können diese Motorräder werden – wenn man welche aufstöbert. Nachforschen bei den umliegenden Motorradgeschäften lohnt sich deshalb. Im Überblick: Eine abwechslungsreiche Auswahl an möglichen Euro 3-Schnäppchen samt den bisherigen Listenpreisen.

Selbst mit Wasserkühlung bedeutet für viele Euro 3-Motorräder die neue Norm das Aus. Euro 4 ist ein Mix aus strengeren Grenzwerten für Abgase (ECE-R41) und Lärm sowie höheren Mindestanforderungen. Dazu gehören unter anderem ABS, eine spezielle Tankentlüftung sowie eine nachgewiesene Mindesthaltbarkeit des Katalysators. Und: Eine Onboard-Diagnose muss möglich sein. Vor allem deshalb wäre eine Aufrüstung von Euro 3-Modellen auf Euro 4 oft viel zu aufwändig und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Stattdessen kommen in manchen Bikes komplett neue Motoren auf den Markt, oder die Modelle fallen aus dem Programm.

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Günstig dank Euro 3: Die Triumph Scrambler. © Ralf Schütze/mid /trd

An den Kragen geht es 2017 zum Beispiel einigen Zweizylinder-Modellen von Aprilia, darunter das flinke Spaßgerät 750 Shiver (8.990 Euro), die Supermoto Dorsoduro 1200 (12.990 Euro) und die Reiseenduro Caponord 1200 (13.990 Euro). Wer sich für eines dieser charaktervollen und eher seltenen Motorräder erwärmt, kommt vor Jahresende 2016 wohl noch sehr günstig davon. So richtig Glück bei der Schnäppchensuche braucht der preisbewusste Biker im Falle der BMW K-Modelle 1300 S, GT und R (zuletzt ab 15.000 Euro). Die bärenstarken Vierzylinder-Bikes mit bis zu 175 PS wurden vor einem guten halben Jahr aus dem Programm genommen. Deshalb ist die Suche nach Restexemplaren sicher schwierig, aber im Erfolgsfall besonders lohnend.

Extrem reizvolles Euro 3-Auslaufmodell: Die hyperpotente Ducati Panigale 1299. Das rassige Superbike halten nicht nur eingefleischte Ducatisti für den Gipfel sportlicher Straßenmotorräder. Der 1.285-ccm-Motor der Panigale schüttelt locker 197 bis maximal 205 PS aus den beiden im 90 Grad-Winkel angeordneten Zylindern, kann aber trotz Wasserkühlung nicht die Euro 4-Norm erfüllen. Ducati nimmt für seinen Supersportler, der zwischen 20.790 und 32.990 Euro kostet, die sogenannte „auslaufende Serie“ in Anspruch. Diese erlaubt auch 2017 und sogar 2018 einen Verkauf von Euro 3-Neumaschinen, wenn deren Zahl weniger als 10 % der Verkäufe von 2015 und 2016 beträgt. Liegt diese Zahl unter 100, kann auf eben jene 100 Stück aufgerundet werden. Somit gibt es zwar für die Ducati 1299 Panigale eine Galgenfrist. Aber: Das Nachfolgemodell steht schon vor der Tür, deshalb sind Rabatte auf verfügbare Euro 3-Panigales naheliegend.

Auch die Tage des 121 PS starken Dragster-Bikes Harley-Davidson V-Rod (ab 18.045 Euro) sind dank Euro 4 gezählt. 2001 war der von Porsche entwickelte, erste wassergekühlte Motor der Traditionsmarke revolutionär, aber bei eingefleischten Harley-Fans seither wenig beliebt. Zu eigenwillig erschien das Aggregat im ungewohnten 60 Grad-Winkel (statt Harleys traditioneller 45 Grad-V2-Motoren). Derzeit können noch Modelle vom Typ V-Rod Muscle und Night Rod Special (in mattschwarzer Optik) beim Händler stehen. Wer dank der 115 Nm Drehmoment mit dem 240er Hinterreifen der V-Rod Striche auf den Asphalt zeichnen möchte, kann bis Ende 2016 vielleicht günstig zuschlagen.

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Genügt nur der Euro-3-Norm: Die Harley-Davidson V-Rod könnte als Auslaufmodell zu Sonderpreisen zu haben sein. © Ralf Schütze /TRD

Auch bei Honda erwischt es wegen der neuen Euro 4-Norm einige Modelle, darunter den traditionsreichen kompakten Sportler CBR 600 RR (10.455 Euro) und das klassisch gestylte Nostalgie-Bike CB 1100 EX (11.990) mit einem bildhübschen luftgekühlten Vierzylinder-Motor. Auch für die kleine Enduro Honda CRF 250 L ohne ABS (4.490) gilt Schnäppchen-Alarm, Restexemplare könnten günstig zu haben sein. Kawasaki hat für seinen Euro 3-Klassiker W 800 zum Abschied sogar eine Sonderserie aufgelegt. Der Trendsetter hatte 1999 eine regelrechte Retro-Welle ausgelöst, jetzt steht das Aus bevor. Unter dem offiziellen Motto „Bye Bye Baby“ ist die „W 800 Final Edition“ für 8.690 Euro zu haben. Allerdings: Restexemplare der Basis-W 800 mit ihrem charakteristischen Zweizylinder sind bereits ab 8.290 Euro zu haben, und der Euro 3-Faktor könnte auch hier zusätzliche Preisnachlässe bringen.

Bei KTM fällt das bislang stärkste Naked Bike der Welt aus dem Programm, die Super Duke R. Ihr Euro 4-Nachfolger steigert die Maximal-Power von 173 auf 177 PS, die alte Super Duke dürfte deshalb relativ günstig zu haben sein. Letzter Listenpreis: 15.495 Euro. Moto Guzzi-Fans haben mit ein wenig Glück Zugriff auf Euro 3-Schnäppchen der 1200er-Baureihen Griso (14.590 Euro) und Stelvio (14.990). Bei Suzuki steht eine Überarbeitung des beliebten Allrounders V-Strom (ab 8.990 Euro für die 650 XT) an, der dicke Cruiser Intruder M 1800 R (ab 14.840) dagegen wird 2017 nicht mehr als Neufahrzeug erleben. Auch hier könnten die bisherigen Euro 3-Varianten mit mehr Rabatt zu haben sein, je näher Silvester vor der Türe steht. Bei Triumph werden unter anderem die luftgekühlten Twins in den Modellen Speedmaster, America und Scrambler (ab 9.130 Euro) auslaufen. Bei Yamaha schließlich sticht das nostalgische Naked Bike XJR 1300 (ab 10.295 Euro) hervor – eines der letzten seiner Art.

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Honda CB 1100 EX: Retro-Bike mit feinen Rippchen zur Motorkühlung. © Ralf Schütze/mid /TRD

Aber Vorsicht: Der 31.12.2016 ist ein Samstag. Stichtag für die letztmögliche Neuzulassung der Euro 3-Bikes wird also Freitag, der 30.12. sein. Wer diesen verpasst, kann sich zum Trost ab Neujahr noch nach vereinzelten Tageszulassungen der Motorradhändler umsehen: Euro 3-Bikes, die 2016 pro forma neu zugelassen wurden und deshalb auch noch 2017 mit Null oder wenigen Kilometern auf dem Tacho verkauft werden dürfen – die Euro 3-Schnäppchenjagd geht dann also in eine weitere Runde.