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Ein „Megageiler Bolide“ mit Heckantrieb

(TRD/MID) Vater und Tochter unterwegs. Der Vater: Autojournalist (54). Die Tochter: Studentin (20). Die zweijährige Probezeit hat sie noch nicht hinter sich, deshalb ist sie allgemein sehr vor- oder zumindest umsichtig unterwegs. Beide fahren jetzt einen Lexus LC 500, einen japanisches Sport-Coupé mit 477 PS und Heckantrieb. Was, wenn statt dem erfahrenen Autotester die unerfahrene Tochter ins cognacfarbene Lederlenkrad des potenten Boliden greift? Soviel Leistung und nur zwei angetriebene Räder – bricht da beim starken Gasgeben das Heck aus, wird das Auto unkontrollierbar? Greifen die starken Brembo-Stopper vielleicht zu extrem zu, wenn Julia aufs linke von zwei Pedalen tritt? Nichts dergleichen passiert, denn Bordelektronik macht auch den stärksten Sportwagen fahrbar. Und: Julias Jugendsprache bringt zum Ausdruck, wie die Novizin den Lexus empfindet: „Megageil“ ist der meistgenutzte Begriff bei der Testfahrt im 270 km/h schnellen Geschoss.

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Ein Samstagmorgen in Kitzbühel: Das Ski-Dorado ist das ganze Jahr über gut für erhöhten Fahrspaß, denn kurvige Bergstraßen holen aus Motor und Fahrwerk alles heraus. Und aus dem Fahrer, der entsprechend seinem Können unterwegs sein sollte. Der zweitürige Lexus LC 500 ist für die Gegend bestens geeignet. Toyotas Luxusmarke hatte stets einen Sinn fürs Besondere. Und so schwingt sich der Hybrid-Pionier zum Verfechter des großvolumigen Saugmotors auf, statt auf der modischen Welle von Downsizing mit kleinen Turbomotoren zu reiten. Fünf Liter Hubraum bringen gewaltige 540 Newtonmeter Drehmoment oder fast soviel Schubkraft wie ein Porsche 911 Carrera GTS 3.0. Sie wuchtet den LC 500 in nur 4,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Erst bei Tempo 270 ist Schluss. Der V8 blubbert beim Cruisen sonor vor sich hin und brüllt auf Befehl lautstark bis auf gut 7.000 Umdrehungen hinauf, wenn Julia unbekümmert das Gaspedal gen Bodenblech drückt. Doch der Hecktriebler bleibt stets berechen- und beherrschbar.

Der Lexus LC 500 ist 4,77 Meter lang und dabei weniger als 1,35 Meter flach. Dass diese Flunder mehr Platz bietet, als erwartet, liegt vor allem am langen Radstand: 2,87 Meter liegen zwischen Vorder- und Hinterachse. Im knapp geschnittenen Fond können Erwachsene jedoch höchstens für kurze Strecken Platz nehmen. Aber dieses Manko hat der Japaner mit Gran Turismo-Kollegen von AMG, Aston Martin oder Ferrari gemein. Von 0 auf 200 km/h könnte Julia in ultrakurzen 15,4 Sekunden spurten. Aber auch weit unter diesem Tempo ist die Kraftentfaltung der acht Zylinder extrem imposant. Julia genießt die schier unbändige Kraft des stimmgewaltigen Antriebs, der auf Kommando losbrüllt wie Luciano Pavarotti zu seinen besten Zeiten. Die Fahranfängerin ist begeistert: „Manche sportliche Autos werden erst spät deutlich hörbar. Anders der Lexus: Sobald Du ein bisschen auf die Tube drückst, brüllt er drauf los. Der Motor klingt richtig geil. Nicht zu aggressiv, aber trotzdem erzeugt er Gänsehaut. Und die Beschleunigung fühlt sich mega an.“ Jenseits aller Vernunft stimmt sie dem Konzept von Lexus voll zu: „Wenn schon so ein krasses Auto, dann richtig.“

Auch das Design des LC 500 gefällt der jungen Münchnerin, die in einem noblen Mode-Unternehmen ein duales Studium absolviert. Von daher ist sie optisch sehr anspruchsvoll. Das Interieur des sportlichen Luxus-Coupés findet sie auffällig, aber nicht übertrieben. „Bei so einem Auto finde ich den außergewöhnlichen Innenraum schon wieder geil. Weil das ganze Auto so over the top ist. Bei einem BMW oder Audi würde mir das nicht gefallen, aber hier passt’s.“ Innen wie außen strahle der japanische Sportwagen Dynamik aus. Man sehe zum Beispiel auf den ersten Blick, wie aerodynamisch die Außenhaut ist – etwa am muskulösen Heck mit den eigenwilligen Leuchten. Den Fahrkomfort findet Julia absolut in Ordnung: „Dieser Sportwagen macht immer präzise, was man will. Und er ist zwar schon hart, aber das passt zu ihm, ich hätte nichts anderes erwartet. Ich fühle mich hier drin rundum wohl.“ Sie könnte sich auch längere Strecken im 2+2-Sitzer vorstellen. Selbst für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder zum Einkauf. Nur die Platzverhältnisse sind dafür arg begrenzt: „Bei nur 197 Liter Kofferraum müssen die Rücksitze herhalten, um alles zu verstauen.“

Als Familienauto ist sie einen ganz normalen BMW 118i mit 136 PS gewohnt. Einziger „Luxus“ im fünftürigen Kompaktwagen: Die Achtgang-Automatik von ZF – Julia mag keine Handschaltung. Im Lexus LC 500 lernt sie jetzt eine noch geschmeidigere Zehngang-Automatik kennen und ist auch davon beeindruckt: „Der Lexus fährt super geschmeidig. Es ist eigentlich egal, ob ich schnell fahre oder nicht – ein Genuss ist es in jedem Fall.“ Auch, weil sich der LC 500 selbst für einen Fahranfänger und trotz seiner enormen Leistung immer kontrollierbar anfühlt, der komplett aktivierten Elektronik sei Dank. Julia schwärmt: „Du bewegst gerade ein richtig geiles Sportauto, und trotzdem hast Du immer ein Gefühl der Sicherheit.“ Sogar der Eco-Fahrmodus weiß im Lexus zu gefallen: Dann blubbert der V8 dezent im 10. Gang vor sich hin, die tiefe Sitzposition passt auch dazu gut – und eine Weile darf sich die High End-Audioanlage mit 13 Lautsprechern in Szene setzen, solange dabei Julias Playlists zu hören sind.

Doch bald gibt sie wieder mehr Gas und lauscht verzückt dem tiefen Klang des Saugmotors. „Mega“ und „geil“, diese Aussagen fallen immer wieder. Und das für die meisten Menschen noch völlig unbekannte „lit“, das im Amerikanischen soviel wie „super schön“ bedeutet. Julia weiß von ihrer Ausbildung her, dass Schönheit ihren Preis hat. Das gilt auch für den LC 500: 99.200 Euro sind zwar gut 25.000 Euro weniger als für den vergleichbaren Porsche 911, aber immer noch extrem viel Geld. „Ich habe zwar keine Ahnung, ob ich jemals soviel Geld für ein Auto übrig haben werde. Aber ich glaube: Der Lexus ist es wert.“

Technische Daten Lexus LC 500:

Zweitüriges Sportcoupé, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 4.770/1.920/1.345/2.870, Leergewicht: 1.960 kg Zuladung: 425 kg, Tankinhalt: 82 l, Kofferraumvolumen: 197 l.

Antrieb: V8-Benziner, Hubraum: 4.969 ccm, Leistung: 351 kW/477 PS bei 7.100 U/min, max. Drehmoment: 540 Nm bei 4.800 U/min, 0-100 km/h: 4,7 s, Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h, 10-Gang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Durchschnittsverbrauch: 11,5 l Super/100km, CO2-Ausstoß: 263 g/km, Preis: 99.200 Euro.