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Die Caravan-Branche wird sich weiterentwickeln müssen

Ob mit oder ohne Tempo-100-Schild: Außerhalb Deutschlands müssen sich Fahrer eines Gespannes bei der Geschwindigkeit zügeln, denn eine etwaige Ausnahmegenehmigung ist dort nicht gültig. © Titelbild: Messe Düsseldorf /TRD Pressedienst

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Der hohe Anteil an jungen Käufern bei den Besitzumschreibungen von Freizeitmobilen lässt die Branche optimistisch in die Zukunft blicken. © Dometic /TRD Pressedienst
(TRD/MID) – Elektroautos können viel, nur keine Anhänger ziehen. Bis auf wenige Ausnahmen genehmigen Hersteller keine Anhängelast für ihre Stromer, die genug damit beschäftigt sind, selbst über die Runden – oder besser gesagt: über die Kilometer zu kommen. Und bei Reisemobilen würde das Gewicht der Akkus eine kaum überbrückbare Barriere für die Zuladung darstellen. Wie sich die Caravaning-Industrie die elektrische Zukunft vorstellt, verrät (Foto) Gerd Adamietzki, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing beim Branchen-Primus Knaus Tabbert, im Interview mit mid-Autor Michael Kirchberger.

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mid: Mobilität wird in kleinen aber wohl unaufhaltsamen Schritten elektrisch. Was bedeutet das für die Caravaning-Industrie?

Gerd Adamietzki: Die Branche ist in Bewegung. Und sie wird sich weiter entwickeln müssen. Themen wie Emissionen, Verbrauch und vor allem Gewichte der Freizeitfahrzeuge werden für Kunden immer wichtiger. Wir arbeiten an diesen Bereichen intensiv, besonders über die Verringerung der Massen, also im Leichtbau unserer Fahrzeuge können wir die Verbrauchswerte beeinflussen. Unser neuester Beitrag ist der Travelino – der neue Technologien, Materialien und Fertigungsverfahren im Caravan-Bau vereint. Der Erfolg: Ein Leergewicht von rund 650 kg – und der Travelino ist ein vollwertiger „Vierschläfer“, der mindestens 100 Kilogramm Zuladung bietet. Oder nehmen wir den Knaus Sky TI, der in der Klasse bis 3,5 Tonnen 650 Kilogramm zuladen kann – das ist ein Spitzenwert in diesem Segment.

mid: Ist ein elektrisch angetriebenes Reisemobil für Sie vorstellbar?

Gerd Adamietzki: Absolut. Allerdings müssen Batterie- und Lade-Technologie noch praxisgerechter für die Kunden ausgelegt sein. Und natürlich muss die Technik bezahlbar sein. Hier sind die Hersteller von Basisfahrzeugen gefordert – damit Reichweiten und Ladezyklen alltagstauglich ausgelegt sind.

mid: Arbeiten Sie diesbezüglich mit den Nutzfahrzeug-Herstellern zusammen?

Gerd Adamietzki: Selbstverständlich geben wir unseren Zulieferern Feedback, welche Technologien wir künftig sehen und unsere Kunden erwarten.

mid: Elektroautos haben keine Anhängelasten. Ist das langfristig das Ende des Wohnwagens, trotz Travelino?

Gerd Adamietzki: Nein, definitiv nicht. Tesla bietet bereits eine Anhängekupplung an, andere Hersteller von E-Fahrzeugen werden nachziehen. Und hochmoderne Leichtbau-Caravans wie unser Travelino machen Elektro-Autos das Leben leichter – weil sie so wenig wiegen. Diese Technologie werden wir nach und nach auch bei unseren anderen Modellen einsetzen. So bleibt Caravaning auch in Zukunft attraktiv.

mid: Müssen und können Campingplätze ihre Versorgung-Infrastruktur umstellen?

Gerd Adamietzki: Die meisten Plätze Europas sind bereits sehr gut ausgebaut. Vielleicht müssen künftig die Querschnitte mancher Leitungen wegen der höheren Ladeströme angepasst werden. Auch die Verwendung alternativer und regenerativer Energie auf Campingplätzen wäre ein weiterer Ansatz.

mid: Wie könnten Denkansätze für das prä-elektrische Zeitalter aussehen, die Übergangslösungen gewissermaßen?

Gerd Adamietzki: Hybrid-Fahrzeuge – im Pkw-Bereich gibt es die schon lange. Aber auch im Reisemobil wären Hybride, die Energie rekuperieren können, sinnvoll. Oder nehmen wir eine Start-Stopp-Automatik – auch die senkt den Treibstoffverbrauch spürbar.