Forensik: Die Analyse der Haarpracht

haarHaaranalysen packen viele Probleme an der Wurzel. Zum Teil kommen aber auch haarige Ergebnisse dabei heraus. © Corinna Dumat / pixelio.de /TRD blog newsportal

(TRD/WID) – Die Auswüchse der Haaranalyse sind seit dem „Fall Christoph Daum“ nicht nur Fußball-Fans hinreichend bekannt. Der Star-Trainer hatte zwar ein „reines Gewissen“, doch die eigene Haarpracht entlarvte in schließlich als „Kokser“. Egal, ob Drogen oder Alkohol: Das Aufdecken von Vitamin- und Mineralstoff-Defiziten sind nur einige Felder. Nicht selten sind einige Ergebnisse aber an den Haaren herbeigezogen, wie die Spezialisten von DocCheck News jetzt verraten.In der forensischen Drogenanalytik spielt die Haaranalyse eine extrem wichtige Rolle. Der Konsum illegaler Substanzen lässt sich noch nach Monaten oder gar Jahren nachweisen. Der Bedarf an solchen Tests ist groß. Im Internet kann man mittlerweile für wenig Geld das Problem scheinbar lösen. Zydot soll den Urin von allen Giftstoffen und illegalen Substanzen befreien. Zydot ultra clean soll sogar Drogen und Medikamente aus dem Inneren des Haares waschen. Würde das wirklich funktionieren, wäre eine Dialyse überflüssig und Christoph Daum wäre vermutlich Bundestrainer geworden.

Bisher ging man davon aus, dass eine Drogenanalyse des Haares hieb- und stichfeste Beweise liefert. Um dies zu widerlegen, schluckten der Toxikologe Prof. Volker Auwärter und sein Team der Universität Freiburg Kapseln mit dem synthetischen Cannabiswirkstoff Dronabinol. Über einen Zeitraum von einem Monat nahmen sie täglich 2,5 mg zu sich. Die orale Aufnahme sollte sicherstellen, dass die Haare nicht kontaminiert werden konnten. THC war zwar im Blut der Probanden nachweisbar, tauchte aber nicht in Kopf- und Barthaaren oder in der Körperbehaarung auf. Das Abbauprodukt THC-COOH, das ausschließlich im Körper gebildet wird, fand sich hingegen schon in den Haaren.

Bisher wurde angenommen, dass die Substanz über den Blutstrom zur Haarwurzel in die Haare gelangt und somit bewiesen ist, dass der Konsument bei einem positiven Befund Cannabis aktiv konsumiert hat und nicht passiv aufgenommen hat. Der Test widerlegt diese auch gerichtlich verwertbare Falschannahme. Der Metabolit gelangt über Schweiß und Talg auf die Oberfläche der Haare. Andererseits bedeutet das auch, dass eine negative Haarprobe nichts über den tatsächlichen Cannabiskonsum aussagt. Die Analyse bleibt damit eine haarige Angelegenheit.