Digitales Leben, Technik, Lifestyle, Produkte auf dem Prüfstand, Neuigkeiten aus dem Testlabor

Autoreifen: Warum jeder Millimeter zählt

conti

Foto: Continental/TRD Pressedienst

(TRD/MID) – Nur wenige Millimeter können das Leben eines Autofahrers dramatisch verändern: Das gilt vor allem bei Nässe aber auch auf Schnee. Denn schon lange vor Erreichen der gesetzlichen Mindest-Profiltiefe bleibt die Sicherheit auf der Strecke.

Reifen sind ein Verschleißartikel: Je mehr sie bewegt werden, desto eher ist Ersatz nötig. Neue Reifen weisen meist eine Profiltiefe von 9,0 bis 7,5 Millimeter auf. Ab einer Grenze von 1,6 Millimeter sind sie nicht mehr verkehrstauglich. „In der Praxis sind 1,6 Millimeter viel zu wenig. Schon ab drei Millimeter sind die Bremswege auf nasser Fahrbahn deutlich länger als bei neuwertigen Reifen“, sagt ein Sprecher von Continental. Und bei Fahrten auf schneebedeckten Fahrbahnen seien sogar schon vier Millimeter kritisch.

Dabei handelt es nicht um einen Verkaufstrick, um den Verbrauchern unnötigerweise neue Reifen aufzuschwatzen. Das beweisen zahllose Messungen und Versuche. So verlängert sich der Bremsweg immer mehr, je weiter die Profiltiefe abnimmt. Beim Bremsen auf nasser Straße beträgt der Unterschied zwischen neuen und bis auf drei Millimeter abgefahrenen Reifen schon zehn Meter, das sind rund zwei Fahrzeugklängen. Und diese Strecke entscheidet darüber, ob das Fahrzeug noch rechtzeitig vor dem jeweiligen Hindernis zum Stillstand kommt oder ob es möglicherweise einen kapitalen Schaden gibt.

Noch deutlicher ist die Verlängerung des Bremswegs, wenn die Reifen bis auf die gesetzlich zugelassene Mindest-Profiltiefe heruntergefahren sind: Da kommt der Wagen fast 20 Meter später zum Stehen als mit neuen Pneus. Entsprechend hoch ist die Restgeschwindigkeit, mit der ein Hindernis getroffen wird. Bei derart abgefahrenen Reifen kann die Nässe von der Straße nicht mehr in ausreichendem Maß in den Profilrillen aufgenommen werden. Sie schiebt sich als Keil zwischen Fahrbahn und Gummi und verhindert die Verzahnung mit der Oberfläche.

Das gilt für Sommer- wie Winterreifen gleichermaßen. Etwas andere Wirkmechanismen greifen auf schneebedeckten Fahrbahnen. Hier empfehlen Reifenhersteller ein Mindestprofil von vier Millimeter. Schon dann sind die Bremswege auf Schnee deutlich länger als bei neuwertigen Reifen. Bei weniger als vier Millimeter kann der Reifen nicht mehr richtig arbeiten: Die Profilblöcke verformen sich nicht mehr in dem erforderlichen Maß, um gute Griffkanten zu bilden. Das wiederum führt zu gefährlich verlängerten Bremswegen.

Bisher scheut sich der Gesetzgeber, die Mindest-Profiltiefe für Reifen allgemein und für Winterreifen im Speziellen anzuheben. Mit den erlaubten 1,6 Millimeter sind Autofahrer legal unterwegs, aber eben nicht so sicher, wie sie es sein sollten. Sparsame Naturen tauschen ihre Winterreifen nicht an Ostern gegen Sommerprofile, sondern fahren sie ein paar Wochen länger bis auf drei Millimeter runter. Und besorgen sich für die nächste Winter-Saison frische Reifen.