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Automobile Visionen: Der Blick in die Kristallkugel soll die Zukunft abbilden

  1. Stuttgart2036

    So stellen sich Daimler und die Agentur XOIO aus Berlin im Jahr 2017 die Stadt Stuttgart im Jahr 2036 vor. © Daimler/XOIO/ TRD Zeitgeist

 

(TRD/MID) Den Drehbuchschreibern von Filmen wie Zurück in die Zukunft, Terminator oder auch Star Trek muss auch heute noch ein gehöriger Respekt für ihren Blick in die Kristallkugeln gezollt werden. Ähnliches darf mit großer Wahrscheinlichkeit in wenigen Jahrzehnten auch über den Automobilhersteller Daimler und die Agentur XOIO aus Berlin gesagt werden. Denn eine Kooperationsarbeit der beiden zukunftszugewandten Unternehmen zeigt schon heute, wie Stuttgart im Jahr 2036 aussehen könnte – oder besser gesagt wird.

Elektroautos hier, autonomes Fahren dort und Konnektivität überall. Die ganze Welt scheint aktuell im Zukunftsrausch zu treiben. Warum noch einen Einkaufszettel schreiben, wenn doch der Kühlschrank vor mir weiß, was fehlt und es dann auch direkt bestellen kann? Filme wie Zurück in die Zukunft, Terminator oder auch Star Trek wirken aus heutiger Sicht antiquiert und aktuell zugleich. Ob Hoverboard oder Smartphone, intelligente Maschinen oder selbstfahrende Autos – den Drehbuchschreibern von einst muss auch heute noch ein gehöriger Respekt für ihren Blick in die Kristallkugeln gezollt werden.

Ähnliches darf mit großer Wahrscheinlichkeit in wenigen Jahrzehnten auch über den Automobilhersteller Daimler und die Agentur XOIO aus Berlin gesagt werden. Denn eine Kooperationsarbeit der beiden zukunftszugewandten Unternehmen zeigt schon heute, wie Stuttgart im Jahr 2036 aussehen könnte – oder besser gesagt wird. Das Besondere am Großraum Stuttgart ist neben seiner funktionalen Bedeutung als Industriestandort, was ihn zugleich zum Zentrum einer der innovationsstärksten Regionen Europas macht, die häufig sehr hohe Verkehrsbelastung. Und dies nicht nur innerstädtisch, sondern auch rund herum. Stuttgart gehört heute zu den stärksten durch Staus belasteten Räume Europas.

Nun gibt es natürlich mindestens zwei Zukunftsszenarien, von denen eines ein komplett in Abgasen erstickender Stuttgarter-Kessel wäre. Doch würde dies selbstverständlich einer Kapitulation gleichkommen. Und das kommt überhaupt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil: Daimler und die seit zehn Jahren hochwertige 3d-Visualisierungen für Architektur und Werbung auf höchstem Niveau bietende Agentur XOIO haben Stuttgart natürlich nicht aufgegeben und präsentieren ein kaum wiederzuerkennendes, aber durchaus vorstellbares Szenario eines sauberen und verkehrsberuhigten Großraums Stuttgart.

Das Hauptaugenmerk der Vision von Stuttgart im Jahre 2036 liegt nachvollziehbarerweise in der grundlegenden Veränderung des Verkehrssystems. Denn in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Bevölkerungszahl signifikant gestiegen und mit ihr die Anzahl der Verkehrsteilnehmer. Die Einführung von Zero-Emission-Zonen im gesamten Stadtgebiet, autonom fahrende Fahrzeuge, Car- und Ridesharing sowie neue Verkehrsmittel sorgen nun dafür, dass es an erster Stelle ruhiger aber vor allem sauberer in Stuttgart vorwärtsgeht. Damit es auch tatsächlich stetig vorwärtsgeht ist gleichzeitig der Durchgangsverkehr vom innerstädtischen Verkehr getrennt und wie auch die Parkraumbewirtschaftung preislich reguliert worden. Die meisten Verkehrsströme verlaufen nun unter der Erde, was wiederum einen großen Vorteil mit sich bringt: Die bis dato von Durchgangsstraßen deutlich voneinander getrennten Stadtteile rücken näher zusammen. Die Gemeinschaft wächst wieder mehr zusammen. Es findet signifikant mehr Interaktion statt. Oder kurz gesagt: Stuttgart wird lebenswerter.

Um den unterirdischen Individualverkehr zu entzerren, kommt eine intelligent gesteuerte Mautgebühr zum Einsatz, ähnlich dem schon heute aktiven Prinzip bei zahlreichen Personen-Beförderungsunternehmen: Wer genau dann fahren möchte, wenn alle fahren wollen, muss mehr zahlen. Die Alternative zum dadurch recht teuer gewordenen Individualverkehr stellen unter anderem die ebenfalls unter die Erde verlegten Stadtbahnen und Tunnelbusse dar. Ihr Liniennetz wurde zudem ausgebaut und die Taktung erhöht. Gleichzeitig wurde damit das Problem der innerstädtischen Anlieferung gelöst, die nun ebenfalls unterirdisch stattfindet. Die Be- und Entladung erfolgt automatisiert durch Robotersysteme.

Neben der ober- und der unterirdischen Ebene wurde mit dem Luftraum zudem noch die dritte Ebene für den Nahverkehr erschlossen. Ein Seilbahn-System verbindet das tiefgelegene Zentrum mit den ringsum höher gelegenen Stadtteilen. So transportieren die Gondeln schnell, autonom und barrierefrei sowohl Fahrgäste als auch Waren und sperrige Güter über weite Strecken. Hinzu kommen schon heute bekannte Drohnen, die in erster Linie für den Transport von Gütern zum Einsatz kommen. Zudem existiert ein per Minicopter durchgeführter Personenverkehr. Zustände, wie sie im Science-Fiction-Film „Das fünfte Element“ herrschen, werden hier jedoch vergeblich gesucht. Ein vollkommen individueller Flugverkehr wie die Nutzung von Drohnen sowohl für Notfalleinsätze als auch eilige Medikamententransporte bleibt durch hohe Gebühren für die Nutzung des Luftraums stark reguliert. Und mal Hand aufs Herz: Wer möchte schon, dass in regelmäßigen Abständen fremde Menschen am eigenen Badezimmerfenster vorbeifliegen?

Ein großer Vorteil des Verkehrssystems über allen drei Ebenen ist der dadurch ermöglichte Rückbau von Straßen, die nun neuen Grünflächen und Spielplätzen weichen können. Dass auch nicht mehr ganz so mobile Einwohner an dem neuen Stadtbild ihre Freude haben, ist keineswegs unberücksichtigt geblieben. Mithilfe von Exoskeletten können Ur-Oma und Ur-Opa nun ihre Enkel auch ohne lästigen Gehwagen beim Schaukeln unter dem neu gewonnenen blauen Himmel unterstützen. Für weitere Wege stehen Taxi-Unternehmen mit ihren Robotaxi-Fahrzeugen zur Verfügung, die völlig autonom durch Stuttgart fahren.

Autos, die sich noch immer im Besitz einer Privatperson befinden, können in Zukunft völlig von selbst das Parkplatzfinden und auch das Einparken vornehmen. Soll heißen, das eigene Fahrzeug wird bis vor das Shopping-Center gefahren, der Fahrer steigt aus und muss sich nicht mehr mit der zeitraubenden Parkplatzsuche beschäftigen. Hier lautet das Stichwort: Automated Valet Parking. Wer glaubt, dies sei nur irgendeine weitere Zukunftsmusik, der irrt gewaltig. Denn schon heute haben Bosch und Daimler gemeinsam im Parkhaus des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart ein Pilotprojekt zum fahrerlosen Parken gestartet. Per Smartphone-Befehl parken Autos fahrerlos in den zugewiesenen Stellplatz ein, ohne dass der Fahrer das Manöver noch überwachen muss. „Durch den Einsatz intelligenter Parkhausinfrastruktur und ihrer Vernetzung mit Fahrzeugen ist es uns gelungen, das fahrerlose Parken deutlich früher als geplant zu realisieren“, sagte Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control.

Parkhäuser können zudem viel niedriger und somit mehrstöckiger geplant werden, da kein Mensch mehr in den Etagen aufrecht stehen muss. Die Fahrzeuge können außerdem viel näher beieinanderstehen, da das Ein- und Aussteigen vor dem Parkhaus stattfindet. Und wenn das eigene Auto dort schon steht, kann auch gleich der Paketdienst-Roboter eine Sendung in den Kofferraum legen. Wird etwas dringender benötigt, kann es aber auch einfach im heimischen 3D-Drucker hergestellt werden.

Auch das Einkaufen wird noch komfortabler: Einfach vor das Schaufenster stellen und mithilfe eines holografischen Spiegelbildes die Möglichkeiten der virtuellen Anprobe nutzen. Und da Einkaufen ja bekanntlich hungrig macht, stehen in der internationalen Restaurant-Kette Seaside Sushi auch gleich kontrolliert ökologisch gezüchtete Fische zur Wahl. Die zur Energiegewinnung angebauten Algen können hier ausnahmsweise nicht verspeist werden. Unterm Strich hat sich Stuttgart, wenn es nach Daimler und XOIO geht, bis zum Jahr 2036 zu einer klima- und umweltfreundlichen Stadt mit einer hohen Lebensqualität entwickelt. Es bleibt spannend.