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Automarken: Die Bedeutung von Lada in der Automobilindustrie

 

(TRD/MID) – Lada ist eine der bekanntesten Marken aus Russland und gehört zu Automobilbauer „AvtoVAZ“. Das ist auch schon fast alles, was die meisten Deutschen von Lada wissen. Doch welche Bedeutung hat das Unternehmen in der Automobilindustrie innerhalb und außerhalb Russlands? Ein Blick auf Lada aus der russischen Perspektive von Austausch-Journalistin Ksenia Sabinina, die in der Global Press Nachrichtenagentur ein Praktikum in Kooperation mit dem Deutsch-Russischen Forum absolviert.

Die Renault-Nissan Allianz hält derzeit 40,7 Prozent Aktienanteile an dem Konzern. 2016 verkaufte Lada auf dem Heimatmarkt 266.296 Fahrzeuge, das sind immerhin über 20 Prozent des gesamten russischen Automobilmarkts. 20.000 Ladas wurden laut Präsident Nikola Mor ins Ausland exportiert – 2.272 davon nach Deutschland. Doch werfen wir zunächst einen Blick auf die interessante Geschichte der Marke.

Die Gründerjahre und der Aufstieg zum Massenhersteller und Exporteur

In den 1960er Jahren produzierte die sowjetische Automobilindustrie rund 300.000 Fahrzeuge pro Jahr. Diese wurden für alle Sowjetrepubliken mit 250 Millionen Einwohnern hergestellt. Die Menschen konnten sich zu dieser Zeit aber größtenteils kein Auto leisten, weil die Anschaffung einfach zu teuer war. Deshalb entschied sich die Sowjetunion (UdSSR), eine Fabrik zu bauen, um Wagen für das Volk zu produzieren. Vor dem Bau schloss die Regierung einen Vertrag mit dem italienischen Automobilkonzern Fiat, der danach das Projekt weiterentwickelte, die Ausrüstung lieferte und die Spezialisten ausbildete.

Einige Modelle von „AvtoVAZ“ wurden auf der Basis von Fiats gebaut, das erste Fahrzeug „Vaz 2101“ wurde schlicht vom Fiat 124 „abgekupfert“. Natürlich wurden diverse Komponenten für das russische Klima und Temperaturen unter Null Grad adaptiert. An dem Wagen wurden laut den Ingenieuren mehr als 800 Änderungen im Vergleich zum italienischen Pendant vorgenommen – unter anderem in Bezug auf Fahrzeugaufbau, Motor, Antrieb und Getriebe. Der 4,07 Meter lange Vaz 2101 wog nur 955 Kilo und hatte 59 PS.

1977 konnten bereits 12.000 Lada-Personenwagen in die Bundesrepublik Deutschland exportiert werden. Im gleichen Jahr erschien der allradgetriebene „Niva“ unter der Modellbezeichnung „Vaz 2121“, eines der erfolgreichsten Autos von „AvtoVAZ“. Das Fahrzeug wurde ein Exportschlager: Rund 500.000 Fahrzeuge von insgesamt 1,8 Millionen produzierten Einheiten wurden in 100 verschiedene Länder verkauft. Und es war das bisher einzige russische Automobil, das in Japan Anklang fand. 1978 wurde der „Niva“ in der Stadt Brno in Tschechien als bestes Automobil gekürt. Ebenfalls 1978 wurde die bisherige Satra GmbH – der Importeur des sowjetischen Personenwagens „Lada“ aus Togliattigrad an der Wolga – in Deutsche Lada Import GmbH umfirmiert. An der Gesellschafterbeteiligung änderte sich nichts. Die Firma blieb ein Zweigunternehmen der amerikanischen Satra Corporation.

Lada in den 1990 Jahren: Zerfall der Sowjetunion

Die Limousine Vaz 21099 war das letzte Lada-Fahrzeug, das vor dem Zerfall der Sowjetunion gebaut wurde. Nur fünf Jahre später erschien das erste russische Auto – der Vaz 2110, der in Umgangssprache „Desyatka“ genannt wurde (das russische „Desyat'“ steht für die Zahl 10). Der Vaz 2110 wurde schon 1989 entwickelt, aber wegen der Krisenjahre nach dem Zusammenbruch des politischen Systems sollte es mit dem Produktionsstart noch bis 1995 dauern. Der 92 PS starke Desyatka sollte mit dem Opel Astra, Audi 80 und Daewoo Nexia konkurrieren. Bis 2007 galt das Modell als das teuerste und prestigeträchtigste Lada-Fahrzeug.

Ein weiterer Meilenstein für Lada war der erste Van der Marke Vaz 2120, der 1998 präsentiert wurde. Um die schwierigen Straßenverhältnisse in Russland zu meistern, basierte das Modell auf der Plattform des Niva und wurde mit Allradantrieb ausgestattet. Das Fahrzeug wurde bis 2008 in kleinen Serien gebaut, danach wurde die Produktion wegen zu geringer Nachfrage eingestellt.

Krise in 2008: Absturz und Erholung

Um die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 zu überwinden, verkaufte AutoVAZ 25 Prozent der Aktien an Renault. 2010 trat auch Nissan der Partnerschaft bei. Um Lada stand es zu dieser Zeit nicht zum Besten: Die Produktionsstätten waren in einem kritischen Zustand und der Verlust war auf 35 Milliarden Rubel gestiegen. In der Folge kündigte das Unternehmen mehr als 22.500 Mitarbeitern. Zum Vergleich: Wie die Statistik zeigt, hat die Fabrik 2008 noch rund 810 000 Fahrzeuge gebaut, schon 2009 war die Produktion auf nur noch 300.000 Einheiten gesunken. Aber bis 2011/2012 produzierte AutoVAZ schon wieder mehr als eine halbe Million Autos.

Im Dezember 2012 gab die Renault-Nissan Allianz bekannt, dass sie über ein Joint-Venture mit dem Namen Alliance Rostec Auto BV und damit eine Mehrheit am russischen Autobauer AwtoWAS übernehmen will. Im April 2014 schließlich bezeichnete Renault-Nissan Chef Carlos Ghosn AwtoWAS als „Teil der Allianz“, die im Anschluss acht Marken produzieren sollte: Renault, Nissan, Renault Samsung, Infiniti, Venucia, Dacia, Datsun und Lada.

Und so sehen wir Lada heute

Bis zum Sommer 2017 wurden mehr als 28,8 Millionen Fahrzeuge der insgesamt 40 verschiedenen Lada Modelle produziert. Die Russen bieten diverse Modelle an: Angefangen beim Lada Largus über den Granta, den Priora, den Kalina, den Vesta und den Dauerbrenner Niva 4×4 bis zum Crossover Xray. Alle Modelle für Russland erfüllen nur die Euro-4-Norm. Die Fahrzeuge, die für das Europäische Ausland produziert wurden, entsprechen dem internationalen Standard Euro-6. Im Juli 2017 wurde der Lada Vesta CNG Sedan angekündigt, dessen Gasanlage mit Erdgas und Methan betrieben werden kann und mehr als 1.000 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung realisieren soll. Ein 1,6-Liter-Ottomotor mit 78 kW/106 PS beschleunigt den 4,41 Meter langen und 1.380 Kilo schweren Viertürer in etwas behäbigen 12,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Neuerdings produziert Lada auch elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Das erste Modell „Ellada“ war nicht sehr erfolgreich aufgrund des hohen Preises. Das zweite Elektromobil „Lada Vesta EV“ soll noch 2017 auf den Markt kommen und 150 Kilometer ohne Nachladen zurücklegen. Einmal voll laden dauert 9 Stunden. Damit ist Lada zwar noch nicht auf dem letzten Stand in Sachen E-Mobilität, doch ein durchaus vielversprechender Anfang ist gemacht. Auch für die Russen gilt der altbekannte Spruch: Wer nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen. Das aber soll in jedem Fall verhindert werden. Viel Glück, Lada.

Autorin: Ksenia Sabinina / mid / TRD